Interview mit David Papo von Main Concept über Facebook, Youtube &Co
David Papo (in der Rapszene besser bekannt als David P.) gilt als einer der besten Freestyle-Rapper Deutschlands und ist als Frontmann der 3-er Gruppierung Main Concept seit über 20 Jahren im Rap-Business aktiv. Ich hatte die wunderbare Gelegenheit, mit David über seine Einstellung zu sozialen Medien wie Facebook und Co, die Verbindung der Rap-Welt mit der digitalen Online-Welt und auch einiges sonst zu plaudern. Da dieses Interview einige Fragen umfasst, hat es etwas Zeit in Anspruch genommen, alles abzutippen. Viel Spaß!
Opinion Leadership: Hallo David, erstmal vielen Dank für Deine Zeit. Du hast schon im Vorgespräch erwähnt, dass du kritisch mit dem Sozialen Web bist. Du selbst bist kein Facebook-User. Hat das einen speziellen Grund?
David Papo: Ich muss dich korrigieren. Ich bin nicht kritisch, sondern ich bin kein User. Ich bin aber kein User, weil ich kritisch bin, sondern weil ich nichts damit zu tun habe, bin ich kein User. Weil ich kein User bin, habe ich nichts damit zu tun. Ich bin gegenüber Facebook überhaupt nicht kritisch. Viele Leute sind auf Facebook und kommunizieren auf diesem Kanal. Das ist auch schön und gut, vor Allem, wenn man die Zeit hat, dies zu betreiben. Mir persönlich ist das allerdings zu anstrengend. Wenn irgendeiner was von mir will, dann kann er mich anrufen oder mir eine SMS schreiben oder von mir aus eine E-mail. Aber ich muss nicht sofort alles wissen und erfahren. Das passt schon so. Brauche ich nicht.
Opinion Leadership: Aber es gibt ja trotzdem von dir ein Profil auf Facebook und es gibt auch eins von Main Concept.
David Papo: Ja, das hat der Glam dort erstellt.
Opinion Leadership: Und der pflegt das auch?
David Papo: Ja, der kümmert sich darum. Ehrlich gesagt, habe ich noch nie drauf geschaut. Ich bevorzuge das persönliche Gespräch.
Opinion Leadership: Deswegen sitzen wir auch hier und tauschen uns nicht über E-Mails aus.
David Papo: Es wäre auch nicht möglich, mich in dieser virtuellen Welt zu erreichen. Es ist aber nicht so, dass ich es als Idealist ablehne, sondern ich mach das einfach nicht. Fertig aus. So wie ich zum Beispiel nicht kaite.
Opinion Leadership: Der Glam pflegt da jeden Tag diesen Account oder wie muss man sich das vorstellen?
David Papo: Das musst du ihn selber fragen. Keine Ahnung.
Opinion Leadership: Das heißt, du weißt also gar nicht genau, was die Leute über dich schreiben oder was sie dir an die Pinnwand posten?
David Papo: Nein, weiß ich tatsächlich nicht. Ich freue mich, wenn es was Positives ist und ich kann mir vorstellen, dass dort mehr Positives als Negatives steht, weil es seit vielen Jahren mein persönliches Feedback bei den Leuten ist. Es kommt selten einer an, der sagt: “David P., du bist scheiße”. Passiert mir einfach nicht. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es in der Computerwelt anders ist, weil das letztendlich nur ein Spiegel, ein Abbild der Realität ist. Und wenn da irgendwelche negativen Dinge stehen, wie: “Der und der freestyled besser” oder: “Ich habe einen Kumpel, der ist noch viel besser”, dann ist mir das wurst. Wenn ich denjenigen treffe, dann kann er mir es ja sagen und wenn nicht, dann werde ich’s nie erfahren, aber das ist auch okay.
Opinion Leadership: Hast du eigentlich das Gefühl, dass dir die Leute sowas dann nicht ins Gesicht sagen würden, sondern es ins Web stellen, um dort auch die Anonymität auszunutzen?
David Papo: Das fällt ja dann leichter zu fronten. Es ist schon ein Unterschied zu jemanden zu sagen: “Du bist ein Arschloch”, also jemanden direkt anzusprechen, weil da noch das körperliche Element dazukommt. Die räumliche Distanz ist sehr klein und wenn du das im Internet machst, ist die räumliche Distanz bedeutend und viel weiter weg und in dem Sinne auch nicht wirklich real.
Opinion Leadership: Ich empfinde das auch als total interessant mit dieser Anonymität, weil es die in anderer Form auch im Rap gibt. Du arbeitest ja teilweise auch mit verschleierten Identitäten und nennst Dich manchmal Armageddonman und Rastaman.
David Papo: Nein, Rastaman hab ich mich nie genannt. Armageddonman hab ich mich genannt.
Opinion Leadership: In einem Lied heißt es doch “Unrasiert wie Rastaman”?
David Papo: Das schon, aber das ist ja ein Vergleich, aber kein Name, so wie ich mich genannt hab. “Amagedonman” und “El Shadai” habe ich mich auch mehrfach genannt.
Opinion Leadership: Das war der Nickname seit der Beginner LP, oder?
David Papo : Nein, das war ein Track auf der Genesis Exodus, unserer zweiten LP von 1998. Da hab ich das „ Zu fünft unterwegs“ gemacht und da rappe ich 5 verschiedene Typen und da habe ich mir verschiedene Namen gegeben. “El Shadai” steht etwas für eine Verschwörung, während “Armagedonman” für Angebertum und Rumprotzen steht. Mungo Dave steht dann eher für Ragga als Stilrichtung. Das sind bewusst Fronttexte. Darauf mache ich Reime mit zu vielen Schimpfwörtern. Es macht Spaß sowas zu schreiben. Insofern hab ich mir eine neue Identität gegeben, weil ich sowas als David P. nicht bringen kann.
Opinion Leadership: Ist es auch so, dass du dich auch mal gar nicht David P. nennst und dass auf einem Poster eine andere Identität steht?
David Papo: Ne, die Leute, die die Poster machen, wollen das auch nicht so. Die wollen, dass da klar steht, wer da kommt. Die wollen ja damit Werbung machen und dann bringt das denen nichts, wenn ich mich irgendwie MC 2012 nenne. Dann weiß keiner, wer ich bin. Dann bringt das nichts, weil die sich ja Besucher erhoffen, insofern wäre das veranstalterunfreundlich. Aber wieso auch?
Opinion Leadership : Die Beginner haben das ja häufig gemacht.
David Papo: Ja, aber bei denen ist das ja was ganz anderes.
Opinion Leadership: Aber da hatten die Veranstalter wahrscheinlich noch ein größeres Interesse, die richtigen Namen auf dem Poster zu haben.
David Papo: Das spricht sich dann aber auch rum. Wenn ich komme und da David P. auf dem Plakat steht, ist es schon ein Insider-Tipp. Wenn da “Absolute Beginner” steht, dann ist es kein Insider-Tipp, sondern ein Tipp für sehr viele Leute und da kann man solche Spielchen natürlich machen.
Opinion Leadership: Ihr würdet das auch nicht machen?
Mit Teekanne hatte ich mal richtig “Beef”. – David Papo
David Papo: Wenn jemand eine coole Idee für ein Konzert oder eine Party hat und dann mit einem Motto wirbt, dann schon. “Real Heads Klan”, unser Theaterstück ist da so ein Beispiel.
Opinion Leadership: Habe ich leider nie gesehen.
David Papo: Ja, das war so eine Stunde lang und das haben wir auch als Real-Hats-Clan gebracht im Rahmen von Hip-Hop-Jams. Genau so- nämlich im Rahmen eines Projekts- kann ich mir das gut vorstellen, aber nicht so: “Wuuhu, ich geb mir nen anderen Namen”. Das finde ich blöd. Die Leute sollen wissen, wer ich bin und ich will wissen, wer die Leute sind. Ich bin nicht so für dieses verborgene, Pseudoanonyme, sondern ich bin schon ich und das passt.
Opinion Leadership: Der Gründer von Facebook, Mark Zuckerberg hat mal gesagt, das Schlimmste, was es für ihn auf der Welt gibt, ist, dass die Leute ihre Identität verschleiern und mit Pseudonymen auf Facebook gehen. Irgendwie auch traurig.
David Papo: Das fällt dort auch leichter, weil man nicht wirklich in Erscheinung tritt.
Opinion Leadership: Wie ist es bei euch mit Eurer digitalen Identität: ihr habt auf Facebook eine Fanpage, auf MySpace ein Profil, zudem eine eigene Website und eine Unterseite bei eurem Plattenlabel. Macht das alles der Glam?
David Papo: Ja, der Glam macht das alles. Der hat das alles zusammen gebastelt und ins Leben gerufen und der kümmert sich komplett darum.
Opinion Leadership: Stimmt Ihr Euch da ab? Hat der Glam da noch was in Planung hinsichtlich der neuen Platte?
David Papo: Ja, der plant da jetzt nicht den großen Auftritt.
Opinion Leadership: Würde auch nicht zu euch passen.
David Papo: Nein, wozu und außerdem schau dir unsere Seite an! Die schaut seit langer Zeit so aus, wie sie ausschaut und das ist okay so. Da stehen News zu unseren Auftritten drin oder wenn’s mal eine neue Platte gibt, dann ist das dort auch. Wir, als Main Concept, sind nicht so aktiv wie andere Künstler auf unserem Label. Also ich kann jetzt nicht jeden Monat da ankommen und hier ein Video und dort einen Track und da ein Auftritt und dort eine Aufzeichung. Ich bin da bisschen gediegener und ich persönlich bin nicht so wahnsinnig aktiv, weil es auch nicht viel gibt, mit dem man so groß aufwarten kann. Wenn’s da was geben würde, dann könnten wir uns ernsthafte Gedanken drüber machen, wie man das alles cool machen könnte, aber wir haben das Material dazu gar nicht. Wieso sollten wir im Internet präsent sein und “wuuhu” machen, wenn wir nichts haben? Wir sind Musiker und treten dort als Musiker auf. Musiker müssen eine Platte machen und dann können sie Wind machen.
Opinion Leadership: Das ist ein total interessanter Ansatz. Im Web ist das meistens andersrum: gefühlt hat mindestens eine Hälfte nichts, macht aber Wind.
David Papo: Aber die Hälfte dieser Leute haben auch keine Perspektive. Verstehst du, nur weil es die andere Hälfte macht, heißt es ja nicht, dass es alle so machen. Bestimmte Leute, die das Bedürfnis haben, diese Möglichkeit für sich zu nutzen, bis sie sehen, dass irgendwie nichts passiert. Natürlich gibt’s diese Erfolgsstories, wenn einer besonders bescheuert ist oder besonders peinlich ist, dann schafft er’s zu einer kleinen Berühmtheit und dann bekommt er vielleicht bei RTL2 oder bei 9Live die Möglichkeit, Spiele zu moderieren.
Opinion Leadership: Also zu einer super Karriere.
David Papo: Kommt darauf an, wie man sie bewertet. Das hängt von deinem Standpunkt ab. Für einen kann das eine super Karriere sein. Das ist nicht mein Ding und nicht meine Ambition. Aber was ich auf jeden Fall sagen will, ist, dass die Leute, die das so machen, eine verschobene Wahrnehmung haben. Deswegen hat das keine Perspektive.
Opinion Leadership: Hast du solche Leute in deinem Freundeskreis oder Bekanntenkreis? Kennst Du solche Leute?
David Papo: Nein. Ich kenne solche Leute nicht. Es sind Leute, die sieht man als Opfer bei Beckmann. Ich kenne solche Leute nicht. Die Leute, die ich kenne, gehen professionell oder für ihre Bedürfnisse gut mit dem Internet um. Zum Beispiel die Praxis (anm. v. Opinion Leadership: David Papo ist Arzt und arbeitet in einer Arztpraxis in München), in der ich arbeite, hat eine tolle Website, die schön aussieht.
Opinion Leadership: Und eine Bayerische Version ist auch noch vorhanden.
David Papo: Hast du dir auch angeschaut?
Opinion Leadership: Natürlich, man muss sich ja vorbereiten.
David Papo: Die Seite hat eine Kollegin gemacht, die Leila. Freunde von ihr haben den Auftritt für sie gemacht und genauso kenne ich das auch. Das ist auch mit unseren Covern so, eigentlich mit allem, was wir machen. Die ganze Grafik ist von unserem Kumpel, dem Cheezy, der in der Frauenhoferstraße eine Gallerie hat. Der Cheezy und ich haben früher auf unserer allerersten Platte „ Coole Scheiße“ gerappt. „Geld ist mir scheißegal, ich bleib im Untergrund“ haben wir dann sogar performed.
Opinion Leadership: Ihr habt es auch beim 20-Jährigen gezeigt.
David Papo: Ja, da haben wir es performed. Wir kennen uns schon sehr lange . Aus seinem Graffiti Ding ist er zunehmend zum Grafiker und Künstler geworden. Der Andi Hosch zum Beispiel ist ein sehr erfolgreicher Fotograf in der Modewelt. Das sind unsere Leute von früher und die machen halt unsere Fotos und den ganzen Kram. Die meisten Leute, die ich kenne, machen das so. In der Praxis, in der ich bin, ist das auch so gelaufen. Es ging über den Freundeskreis. Ihr Mann hat die Fotos gemacht.
Opinion Leadership: Die Seite ist im Übrigen auch echt gut geworden.
David Papo: Ja, das ist echt eine coole Seite, geschmackvoll und viele Leute sagen so, „Coole Seite, hat mir am besten gefallen“. Wenn du dir die ganzen Seiten anschaust, da sind so Fotos von Typen und Kontakt oder “Vereinbaren Sie einen Termin”, was dann häufig nicht sehr attraktiv aussieht. Wir alle sind Ästheten. Ich bin auch Ästhet und ich will das unser Cover zum Beispiel cool ausschaut. Das Gleiche gilt für unsere Internetseite. Ist jetzt nicht die Wahnsinns-Seite, aber das macht ja auch der Glam mit dem vorhandenen Material, das er hat. Aber wir brauchen das als Main Concept nicht. Was ich aber auch sagen will: die Internetseite von Cheezys Gallerie, das ist eine coole Seite. Coole Leute machen coole Sachen und uncoole Leute machen uncoole Sachen. Manche Leute sind bescheuert und bezahlen dann viel Geld für eine Scheiß Internetseite, weil die Leute meinen, das Internet ist ihr Sprungbrett. Du kannst, wenn du ein Betrieb bist, im Internet keine Wahnsinns Seite haben, aber die Arbeit nicht leisten. Die Leute sind nicht hier wegen deiner Internetseite, sondern wegen deiner Arbeit.
Opinion Leadership: Langfristig auf jeden Fall. Viele Leute lassen sich eben auch von so etwas leiten. Wenn ich jetzt zum Beispiel nach einem Arzt suche, entdecke ich mich in Deinem ästhetischen Ansatz total wieder. Wenn ich einen Arzt suche, dann gehe ich zu einem, der auch eine ordentliche Internetseite hat, der diese pflegt und sich bemüht, für die Kunden zu denken.
David Papo: Aber da unterscheiden wir zwei uns komplett. Diese Seite, die jetzt die Leute in der Praxis in der Au haben, ist jetzt keine kundenorientierte Seite.
Opinion Leadership: Ich finde schon.
David Papo: Das empfindest du, aus deinem Blickwinkel, aber du kannst nicht davon ausgehen, dass die Leute die Motive aus dem gleichen Blickwinkel gewählt haben. Du kennst doch diese Leute nicht. Ich würde nie einen Arzt über seine Internetseite beurteilen.
Opinion Leadership: Aber wenn du ihn gar nicht kennst und du kommst in eine fremde Stadt. Wie findest du einen Arzt?
David Papo: Ich kann dir mal sagen, wie das so ist. Wir haben in dieser Praxis viele Patienten. Da ist halb Untergiesing, Obergiesing und die Au da. Wir sehen viele Leute da. Die Jüngeren, die gerade nach München gezogen sind, informieren sich über das Internet. Das ist der Erstkontakt. Angenommen, Du bist ein Arzt, der eine tolle Internetseite hat, aber deine Praxis ist scheiße und die Medizin, die du machst, ist zwar gut, aber wenn Du den Umgang, die räumliche Nähe mit der Person in dem Raum nicht drauf hast, dann kommt der nicht ein zweites Mal- egal, wie toll deine Internetseite ist. Deswegen ist die Internetseite für mich sowas wie Werbung.
Opinion Leadership: Ein Teaser.
David Papo: Ein “Teaser”, genau so nennst du das halt. Natürlich ist es anfangs entscheidend und soviele entscheiden sich so und kommen dann zu uns wegen unserer tollen Internetseite.
Opinion Leadership: Als Arzt muss man auch die Erwartungen seiner Kunden abdecken.
David Papo: Aber als Arzt musst du auch Leistung bringen, wenn du keine coole Internetseite hast. Was ich sagen wollte: einige kommen wegen der Internetseite. Das ist aber eine kleine Gruppe von Leuten, die hergezogen sind oder erst eine kurze Zeit lang in München sind. Die meisten Leute kommen auf Empfehlung und das ist das, was zählt. In einer Businesswelt, wo die Distanz groß ist, kannst du nicht rein auf Empfehlung arbeiten. Natürlich wird auch über E-Mail empfohlen. Aber hier reden die Leute miteinander und kennen sich. Irgendwer kennt jemanden über zehn Ecken und hat was über den Arzt gehört. Es muss ja nicht der Arzt sein. Es kann das Cafè sein, der Schuster und die Wäscherei, was es halt alles so gibt. Die Mundpropaganda ist viel wichtiger als deine Internetseite. Das ist einfach ein Aufblinken, aber wenn da nichts dahinter ist- im Sinne von wertvoller Arbeit im realen Leben, nicht an der Internetseite- dann bringt dir auch die ganze Internetseite nichts. Das ist das, was ich sagen will. Und dass jemand, der seine Internetseite pflegt, auch ein ordentlicher Arzt ist, das ist der größte Trugschluss. Wenn einer die ganze Zeit seine Internetseite pflegt: wie soll dieser jemand dann ein guter Arzt sein? Wie soll denn das gehen, da ist doch total albern. Die Internetseite ist nicht die Realität.
Opinion Leadership: Da stimme ich dir auch vollkommen zu. Ich find’s auch super, dass du es so siehst, weil es im Prinzip das ist, was ich sagen wollte. Das Internet dient wirklich dem Erstkontakt und dafür ist es auch wichtig. Es gibt zum Beispiel viele Ärzte bei denen auf der Internetseite nicht steht, ob er Englisch spricht. Wenn das dann bei Euch steht, ist das ein Vorteil.
David Papo: Ich spreche serbisch und kroatisch und das steht auch auf der Seite und dann kommen deswegen ein paar Leute. Ein Arzt im Krankenhaus hat mal im Web recherchiert und uns genau deswegen empfohlen.
Opinion Leadership: Deswegen ist das Web so sinnvoll.
David Papo: Aber das ist auch Sinn und Zweck des Internets. Der Informationsaustausch und der schnelle Erwerb von Informationen. Es geht nicht darum, dass du auf eine tolle Seite kommst, wenn du einen Arzt suchst, sondern dass du schnell einen finden kannst. Und da brauchst du auch keine tolle Seite, sondern du brauchst eigentlich nur eine Telefonnummer und eine Adresse. Das reicht vollkommen. Chronisch kranke Menschen, die sich viel mit ihrer Gesundheit beschäftigen, schauen sich das natürlich genau an. Aber das ist ja nicht akut und da hat man dann die Zeit dazu. Aber letztendlich ist das Internet zum Informationsaustausch und schnellen Informationserwerb da und genau dafür ist es sinnvoll. Ich google auch alles während der Arbeit. Wenn einer nicht weiß, bei welchem Psychiater er war, kann ich das im Internet recherchieren. Dafür ist es da und dann nutze ich das auch. Natürlich brauch ich das Internet in meiner Freizeit und E-mail, um Dinge zu verschicken. Das ist ja auch okay so. Aber wenn das Internet dann kommerzielle Aspekte bekommt und es dann um den Look und primär um die Aufmachung der Internetseite geht, dann bist du schon im Bereich der Werbung. Wie mache ich ein ansprechendes Plakat, wie mache ich eine ansprechende Internetseite? Zum Beispiel die Leute aus meiner Arztpraxis. Die haben das nicht unter dem Aspekt gemacht, weil sie irgendwelche Bücher gelesen haben, wo sie gesehen haben, es spricht die Leute an, wenn der Name rechts oben steht und solche Sachen. Nein, die meinen das, weil sie cool sind machen sie eine coole Seite, verstehst du? So läuft das halt.
Opinion Leadership: Ja, das find ich super.
David Papo: Und alles, was so ausgetüftelt und auf irgendwelchen psychologischen Studien beruht, ist anstrengend. Natürlich kann man alles lernen. Du siehst das auch bei diesen ganzen Castingshows. Die können am Anfang mäßig singen und am Ende haben sie es drauf. Man muss kein riesiges Talent haben. Man kann vieles lernen. So ist es auch mit dem Designen und mit coolen Seiten machen. Wenn es eine wirklich coole Seite ist, dann hat es jemand mit Liebe gemacht. Aber das ist mit allem so, was man im Leben macht, ob das deine Arbeit ist, die Musik, die du machst, den Kaffee, den du dir kochst. Der schmeckt besser, wenn du ihn dir mit Liebe machst. Allein schon, weil du ihn dir mit Liebe gemacht hast.
Opinion Leadership: Du hast gesagt, eine Empfehlung erfolgt immer durch die Mundpropaganda. Irgendetwas hat mir gefallen und dann erzähl ich’s weiter. Im Prinzip versucht ja Facebook genau dies zu machen. Den „I like-Button“ gibt’s ja genau für diesen Zweck. Ich gehe zum Beispiel auf die “Main Concept”-Seite und drücke auf „I like“. Das heißt, ich sage dann meinem Netzwerk, dass Main Concept cool ist beziehungsweise, dass ich Facebook gerne mag. Sowas hat ja einen wahnsinnigen Multiplikatoreffekt. Es geht schließlich in mein Netzwerk raus, da sind Schweizer und Japaner, die kannten Main Concept davor nicht.
David Papo: Ja, das ist ja fett, aber das machen ja die Leute für uns.
Opinion Leadership: Genau.
David Papo: Deswegen muss ich das ja nicht machen. Wenn ich sowas machen würde, das wäre ja eitel, das ist doch scheiße irgendwie. Uuuh, ich like mich selber die ganze Zeit.
Opinion Leadership: Ja, aber man kann die Leute anfüttern. Blumentopf zum Beispiel. Die twittern über ihre Interviews und dann verteilen die Leute das.
David Papo: Das ist ja auch fett. Aber die machen ja auch viel, also die bringen ja regelmäßig eine Platte raus. Wenn wir jetzt ein Platte haben sollten, dann könnte man sich über sowas Gedanken machen. Natürlich klar, niemand geht mehr in den Laden und wird sich die Platte kaufen. Jeder lädt den Track dann einfach runter. Das Musikbusiness läuft mittlerweile anders. Kein Mensch braucht mehr Platten und CDs. Manche mögen es, aber brauchen tuts keiner mehr. Außer man ist so wie ich, dem das alles zu mühsam ist.
Opinion Leadership: Itunes beispielsweise.
David Papo: Ja. Wenn wir eine Platte haben, dann kann man darüber nachdenken.
Opinion Leadership: Ihr macht ja jetzt eine Platte.
David Papo: Ja, wir arbeiten dran, aber wir haben sie noch nicht und deswegen habe ich keinen Bock drauf, jetzt Terror zu machen, wenn das Ding nicht fertig ist. Erst wenn es fertig ist, mehr oder weniger so weit fertig halt, dass man schon anfangen kann.
Opinion Leadership: Du meinst die Produktion?
David Papo: Nein, nicht die Produktion, sondern Promotion und anschließend alles in die Wege zu leiten wie zum Beispiel den Veröffentlichungstermin. Was soll ich mich vorher wichtig machen und am Ende zieht es sich nochmal ein Jahr länger?
Opinion Leadership: Da bin ich voll bei dir.
David Papo: Sein Denken, sein Handeln überdenken. Das hat ja alles Auswirkungen und deswegen machen wir erst Terror oder machen uns bemerkbar, wenn wir etwas haben.
Opinion Leadership : Das machen dann wir für euch.
David Papo: Wenn wir uns dann bemerkbar machen, dann machen wir das dann gerne so.
Opinion Leadership: Ich finde den Ansatz richtig. Du hast in Deinen Shows mal Erich Mühsam zitiert. Erstmal, wie kam es dazu?
David Papo: Das hab ich gelesen. Ich hab von meiner Frau ein Buch geschenkt bekommen über die Münchener Boheme und darin kamen auch Philosophen zu Wort wie Erich Mühsam und Kurt Eisner. Die Zeit um die Jahrhundertwende ab 1900 bis nach dem ersten Weltkrieg und die Räterepublik fand ich immer schon cool. Und dann bin ich auf dieses Erich Mühsam Ding gestoßen, „Der Revoluzzer“ heißt das. Das bringt es genau auf den Punkt, wie Revoluzzer sind: sie wollen revoluzzen, aber gleichzeitig ihre Lampen putzen. Ich habe das schon lange gekannt, aber das ich es dann in die Show eingebaut hab, das kam mir irgendwann mal. Vor drei Jahren hab ich damit angefangen.
Opinion Leadership: Total cool.
David Papo: Ich sage das nicht bei jeder Show auf, aber doch regelmäßig mit diesem Reclamheft, weil es einen schönen Effekt macht. Niemand erwartet sowas auf einem Rapkonzert. Aber es muss kein Rap sein, sondern es geht um den Inhalt. Auch beim Rap geht es um den Inhalt. Der muss „en point“ sein und das macht dieses Gedicht. Ich würde jetzt kein melancholisches Gedicht über den Herbst und die Revolution einbauen. Es gibt ja auch sehr pathetische Erich Mühsam Sachen aus seiner schlimmen Zeit, wo er in der Festung war. Das brauche ich bei einem Auftritt nicht. Es soll cool sein und letztendlich meiner Art zu reimen und rappen entsprechen.
Opinion Leadership: Ich habe von Erich Mühsam auch ein Zitat gefunden, was ich total witzig finde, weil es wunderbar in unser Gespräch passt. Und zwar hat er gefragt: “Wieso ich Welt und Menschen verfluche?” und als Grund genannt: “Weil ich den Menschen spüre, den ich suche”. Das find ich total spannend hinblicklich unseres Gesprächs bezüglich Sozialer Netzwerke. Es gibt zwei Tendenzen, die einen sagen, Facebook hat deswegen 600 Millionen Nutzer, weil die Leute nicht mehr fähig sind in der Offline Welt zu kommunizieren.
David Papo: “Offline Welt”. Das ist auch so geil. Als wenn es eine Online Welt wirklich gäbe und erst Recht das Gegenteil davon. Die in der normalen Welt sind offline. Das ist eine total verschobene Sichtweise! Weißt du, wie ich meine?
Opinion Leadership: Gut, dass du mich darauf hinweist. Nein, du hast Recht.
David Papo: Das ist mir gerade so aufgefallen. Ich find’s auch cool. Es kommt drauf an, aus welchem Blickwinkel man es sieht. Wenn du so der online Typ bist, dann sind die in der Realität offline. Wenn du der Realitätsmensch bist, dann sind die virtuell, eigentlich sind sie auch off aus der Realität. Das ist alles eine Frage der Sichtweise.
Opinion Leadership: Danke auch für den kritischen Hinweis
Wie gesagt, es gibt diese zwei Pole. Die einen sagen, die Leute sind nicht mehr dazu fähig miteinander zu kommunizieren, wie du es beschrieben hast, wie du mit deinen Freunden oder Bekannten umgehst und dann gibt es auch die anderen, die sagen, dass diese sozialen Netzwerke deswegen so erfolgreich sind, weil man mit Leuten, mit denen ich nie zu tun gehabt hätte, kommunizieren kann.
Die Vereinsamung im Studium ist wenigstens noch einigermaßen sinnvoll.- David Papo
David Papo: Aber das ist so wie mit dem schnellen Informationszugang und -erwerb. Dafür ist es auch cool. Da treffen sich Leute, da passiert ja auch was. Aber da steckt immer etwas Reales dahinter. Das Internet wird dort sozusagen als Instrument benutzt, als Plattform, als Werkzeug, um in Kontakt zu treten. Früher musste man sich Briefe schreiben, heute muss man das nicht mehr. Eine Zeit lang musste man sich E-mails schreiben, jetzt kann man halt „Real Life“ kommunizieren. Das ist alles fett, aber es ist alles eine Frage des Maßes. Es ist so wie Telefonieren: das dient auch zum Informationsaustausch, aber du telefonierst auch nicht den ganzen Tag.
Opinion Leadership: Es gibt auch Leute, die den ganzen Tag telefonieren.
David Papo: Früher war es das Telefonieren. Aber das Internet ist ein Instrument zur Bewältigung des Alltags und des Berufslebens. Es ist ein riesiger Vorteil und es ist auch echt cool. Du kannst alles schnell nachschauen und nachlesen. Du hörst einen irgendeinen Namen oder da ist so ein Lied. Ich schau mit meinen Kindern „Tom und Cherry” und da ist das eine Lied, wo der Tom auf diesem Bass hüpft. Das hatte ich noch in Erinnerung von meiner Kindheit und dann hab ich bei Google eingegeben „ Tom und Cherry“ und den Namen der Folge. Bei Wikipedia kommen dann alle Tracks von Tom und Cherry von Folge A bis Z.
Opinion Leadership: Und dann hast du es dir auf Platte gekauft, oder?
David Papo: Dann hab ich’s mir auf Platte gekauft. Ich habe es nicht heruntergeladen.
Opinion Leadership: Ja klar!
David Papo: Ne ne , ich hab das schon gekauft. Ich will das dann auch haben. Dafür ist das Internet echt super und dafür soll man es auch nutzen. Aber nicht dafür, damit die Leute den ganzen Tag da nur im Internet rumhängen und das dann als Realersatz nehmen, denn dann schadet das denen auch. Die Leute schaden sich am Ende selber, wenn sie nur vor ihren Games hocken und halt letztendlich zu stupider Vereinsamung führen. Man kann auch im Studium vereinsamen, aber das ist dann auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt.
Opinion Leadership: Es gibt viele Formen der Vereinsamung.
David Papo: Ja, aber die Vereinsamung im Studium ist wenigstens noch sinnvoll, weil man anschließend was gelernt hat. Aber wenn man dann nur so blöd rumlabert und Fotos anschaut, ist das traurig. “Wer war auf dieser Party, wer war auf jener Party?”. Das ist cool für Leute, die so von 20 bis 30 sind. Aber wenn du älter bist- ich bin jetzt 35 und werde 36- ist das zunehmend egal. Und was da irgendwer im Internet über die Party labert, interessiert mich nicht. Mit 20 wäre mir das vielleicht wichtig gewesen.
Opinion Leadership: Hattest du mal „Beef“mit anderen Rappern?
David Papo: Ja, Streit sozusagen. Ja, in ganz frühen Zeiten, aber jetzt nicht mehr.
Opinion Leadership: In Münchener Zeiten noch?
David Papo: Ja, mit einem ganz bestimmten Rapper. Das war eine hinterhältige Aktion. Ich hab gesagt, du wärst gerne Lyriker, weil er war damals bei den Lyrikern und das war eine Anspielung darauf. Aber er hat auch irgendwann aufgehört zu rappen. Mit Teekanne hab ich mich mal auf der Bühne gezofft.
Opinion Leadership: Mit Teekanne?
David Papo: Ja. Mit dem habe ich mich richtig gezofft.Eigentlich hat er sich mit mir gezofft und irgendwann musste ich reagieren. Das war dann auf der Bühne.
Opinion Leadership: Aber das ist ja ein Ort, wo man es austragen kann, oder?
David Papo: Es war kein Beef, sondern es war ein Battle. Eigentlich war es die ehrlichste Form von Streit. Wir haben es nicht körperlich ausgetragen, aber halt Rap-mäßig und das ist auch cool. Dafür ist der Rap auch da und es macht auch Spaß, sich so zu batteln.
Opinion Leadership: Total. Für die Zuhörer umso mehr.
David Papo: Und Sprüche zu klopfen und zu gewinnen, das ist natürlich auch cool. Das war ein ehrliches Battle aus persönlichen Gründen, das wir damals geführt haben.Wir haben uns auch wieder vertragen. Es hat sehr lange gedauert, bis wir uns wieder gesehen haben. Jahre, Jahrzehnte wahrscheinlich. Dann haben wir nochmal darüber gelabert und war alles okay. Wir sind beide älter geworden und diese Emotion ist nicht mehr dahinter. Aber wenn jetzt irgendeiner auf der Bühne was Schlechtes über mich sagt, muss ich natürlich hoch.
Opinion Leadership: Klar.
David Papo: Aber damals war das sehr emotional. Da hat sich was entladen bei einem Freestyle-Battle, was sich über Jahre aufgebauscht hat. Sowas kann mir heute nicht mehr passieren. Da bin ich nicht mehr so emotional.
Opinion Leadership: Zu entspannt?
David Papo: Genau, da bin ich zu entspannt dafür.
Opinion Leadership: Du hattest ja mal ein Projekt, bei dem du Jugendliche enabled hast, Selbstvertrauen zu generieren und selber Musik zu machen.
David Papo: Die Formulierung schmeichelt mir sehr.
Opinion Leadership: Ja?
David Papo: Ja, weil “enablen” eine schöne Umschreibung ist. Du umschreibst das so, als wäre ich ziemlich ehrenvoll. Ich hab die Rap-Workshops mit Kindern gemacht. Ich hab keine Workshops gemacht, wie sie sich besser ausdrücken können. Deshalb find ich das schmeichelnd. Es war einfach ein Rap-Workshop. Ich hab mit denen Raptexte geschrieben. Es gab zeitlang ein Projekt im Kreisjugendring, das sogenannte “Kids-Projekt”. Auf jeden Fall waren dort verschiedene Künstler, auch Tänzer, Breakdancer, Grafitti, trommeln, basteln , alles mögliche. Das waren irgendwelche Münchner Künstler und die haben dann an Schule geholfen. Die konnten sich aussuchen, was sie wollen, und so sind Gruppen entstanden. Dann ist man über 3 Monate ein bis zweimal in der Woche zusammengekommen und hat dort paar Stunden mit den Kindern ein Projekt gemacht. Und ich war meistens in der 6./7. Klasse Hauptschule in der Albert-Schweizer-Straße in Neuperlach und am Hart.
Opinion Leadership: Also in sozialen Brennpunkten.
David Papo: Ja, in Hauptschulen. Da sollte das auch irgendwie sein. Das war schon auch krass, aber ich hab da schon einen guten Stand bei den Kindern. Ich kann rappen und egal, ob ich eine Brille oder studiert habe, das kommt an. Zudem bin ich für die Ausländer, obwohl ich deutscher Staatsbürger bin. Meine Eltern sind beide aus Jugoslawien, aus Belgrad. Das war insofern cool, weil ich mit der einen Hälfte der Kinder in ihrer Muttersprache reden konnte. Aber klar, manche haben versucht, mich zu provozieren. Das hätte ich in der 7. Klasse auch gemacht. Nur, dass die Sprache von den Jungs viel härter ist. Aber dann freestyle ich da kurz, dann ist wieder alles cool. Es kristallisierten sich die heraus, die Bock hatten, einen Text zu schreiben, und die, die sowieso schon alles kennen und daran kein Interesse haben. Die machen dann nicht mit und Mädchen waren auch viele dabei. Die sind natürlich viel „into it“ und geben sich viel mehr Mühe. Die Jungs sind halt „N coolen Satz, n coolen Satz“
Opinion Leadership: Und aggro?
David Papo: Ich versuchte, sie weg von dem “aggro” zu bekommen. Viele Rapper sagen so, jeder soll schreiben, was er fühlt. Schön, dass sie Aggressivität spüren. Die spüre ich in dem Raum dann auch so. Aber warum sollte man sich immer auf das Negative fokussieren. Mach doch lieber einen coolen Satz, nen coolen Spruch und zeig das du der Typ bist! Und nicht Leute beschimpfen. Das ist keine wirkliche Bloßstellung, jemanden zu beschimpfen. Eine Bloßstellung deines Gegners ist es, einen Spruch zu drücken und es ihm zu zeigen durch eine Tat, in dem Fall den Spruch so zu sprechen, die Idee dazu zu haben und dann hast du’s ihm gegeben. Das ist der Reiz am Rap. Rap ist ja auch keine klassische Musik und auch nicht Leute, die klassische Musik machen, machen Rap. Leute, die sozusagen zu struggeln haben, die es dem anderen drücken müssen, eins draufsetzen müssen. Das ist was auch Spaß macht daran. Das versuche ich zu vermitteln. Dann kommt natürlich das Technische dazu, die Sprache, die Rechtschreibung, da hab ich echt viel Zeit gebraucht. „ Tut mir leid, aber das kann man echt nicht so schreiben“ musste ich oft sagen. Schade ist halt, dass nach ein paar Monaten alles vorbei ist. Dann wird’s halt aufgenommen und einmal haben wir sogar ein Video gemacht. Ich habe aber keinen von denen je wieder getroffen.
Opinion Leadership : Schade. Wobei man jetzt davon ausgehen würde, wenn einer an so einem Workshop teilgenommen hat, dass er auch mal auf ein Konzert kommt und dann hallo sagt.
David Papo: Nein, das passiert nicht.
Opinion Leadership: Echt nicht?
David Papo: Doch einmal der Will San, der hat so Reggae gemacht. Aber der hat das vorher schon gemacht. Aber der war nicht an der Schule, sondern ich hab das auch in vielen Freizeitheimen gemacht. Ich hab das auch in der 2. Klasse gemacht.
Opinion Leadership: Süß.
David Papo: Das war eigentlich ganz nett. Da musste jeder seinen Namen sagen und einen Reim drauf. Das war eigentlich ganz nett so. Aber das war eigentlich kein Rap-Workshop. Die haben versucht bisschen zu rappen, wie Kinder das so machen. Ob das jetzt was gebracht hat oder ob das jetzt eine große Tat war, die ich da verbracht habe mit irgendeiner Nachhaltigkeit, das weiß ich wirklich nicht. Dem Einen hat’s vielleicht einen Impuls gesetzt und bei dem Anderen nicht. Für die war das immer noch besser als in der Schule zu sitzen. Deswegen bewerte ich das nicht über. Aber es hat mir Spaß gemacht und den Jungs hat’s eigentlich auch Spaß gemacht, weil es schon immer sehr emotional war, als wir uns dann nach dem Abschluss des Workshops getrennt haben.
Opinion Leadership: Nur gut, dass RTL nicht dabei war.
David Papo: Ja, so emotional jetzt auch wieder nicht. Die heulen da ja nicht und ich auch nicht. Aber ich merkte, dass es eine echt schöne Zeit war, weil es einfach viel Spaß macht, mit Jugendlichen zusammen zu sein und deren Sprüche und Gags mitzubekommen, wie sie mit den Mädels reden und die Mädels mit den Jungs , die Pubertätszeit zu erleben. Das ist auch für mich amüsant, das mitzubekommen. Ich lerne von denen auch Sprüche. Aber das habe ich auch schon lang nicht mehr gemacht. Das kann ich wahrscheinlich auch gar nicht mehr. Das hab ich gemacht, während ich studiert hab. Das ist 10 Jahre her, 8 Jahre.
Opinion Leadership: Ich habe bisschen recherchiert und in einem großen deutschen Rap-Forum im Internet hat einer gepostet, dass du einen bestimmten Workshop gemacht hast und dass das der letzte Mist war. Wie gehst Du mit solcher Kritik um?
David Papo: Das war auch der letzte Scheiß. Insofern ist es okay.
Opinion Leadership: Sagst du selber?
David Papo: Wenn ich was posten könnte, hätte ich auch geschrieben „War voll der Scheiß“.
Opinion Leadership: Alles klar. Na dann ist gut.
David Papo: Also bitte. Das war für mich alles auch scheiße, das hat mir keinen Spaß gemacht. Ich hab mich da komplett zurückgehalten. Da waren andere, irgendwie drei, vier Rapper. Der Smudo und ich weiß gar nicht wer. Das war eine komplett andere Herangehensweise. Wenn ich einen Workshop mache, dann geht’s bei mir nicht um das Technische, weil Reime machen kann man oder kann man nicht. Ich komme doch jetzt nicht an mit Listen auf Reime mit irgendeiner Endung. Ich kann das technisch niemandem beibringen. Das muss man selber machen. Was für mich wichtig ist, ist die geistige Herangehensweise ans Rappen. Das ist das, was ich als wichtig empfinde. Scheißegal, ob einer technisch gut rappt-ohne gute Gedanken macht das keinen Sinn. Das höre ich mir gerne an, aber dann nur auf Englisch. Wenn ich dann nicht wirklich richtig hin höre, dann versteh ich’s nicht. Das läuft dann im Hintergrund. Dann find ich Technik und Flow geil. Aber wenn das dann auf Deutsch ist, dann kann er technisch so gut rappen, wie er will. Wenn er scheiße labert und seine Einstellung nicht stimmt, dann nervt mich das halt. Und bei diesem Workshop in Hamburg war das halt auch in dieser Zeit, wo das ganze Battle-Ding- das Berlin-Ding- ganz am Anfang stand. Das war grad in der Entwicklung, dieser grobe Rap und der grobe Inhalt. Das ist nicht mein Ding und dann haben viele so gerappt und ich hab so gemeint „ Ja, weiß ich nicht, würd ich jetzt nicht so machen“. „Ey, was willst du mir jetzt erzählen“, war die Antwort und ich habe mich gefragt, was ich da soll. Ich war auch mit den anderen Trainer, Coaches, Rappern einfach nicht „D’accord“. Das war voll der Scheiß. Ich kam mir die ganze Zeit blöd vor. Aber ich schreibe es nicht auf Facebook, weil das ist ehrlich gesagt auch schon 10 Jahre her und da gab’s noch kein Facebook. Da muss sich einer schon sehr gut erinnern und es sehr scheiße gefunden haben, dass er jetzt noch damit ankommt und sagt: „ David P. ist scheiße“.
Opinion Leadership: Es ist ja so, dass das Internet nicht vergisst. Das hat einer in ein Rap-Forum geschrieben.
David Papo: Achso, damals meinst du.
Opinion Leadership: Wahrscheinlich damals.
David Papo: Dann hat das jemand ausgegraben.
Opinion Leadership: Ja, ich heute.
David Papo: Achso. Ich dachte, das wäre jetzt aktuelles auf Facebook.
Opinion Leadership: Um Gottes Willen. Auf Facebook redet doch keiner schlecht über euch.
David Papo: Das fand halt einer scheiße und der hat’s dann ins Internet geschrieben. Aber auch cool. Ich selber hätte das nie gefunden. Dann bin ich nicht der einzigste, der’s scheiße fand. Cool für mich.
Opinion Leadership: Ich bin froh, dass du dich nicht drüber ärgerst.
David Papo: Nein. Das, was ich an den Schulen und in Freizeitheimen gemacht habe, kann man damit nicht vergleichen. Da kamen lauter Typen, die schon gerappt haben. Die in der Schule haben noch nie gerappt. Die wussten nichts. Die können am Anfang keinen Reim machen. „Hey, mach mal einen Reim.“- „Ehm, ich hab eine Katze und die findet eine Maus.
Opinion Leadership: Reimt sich schlecht.
David Papo: Ja. Die Assoziation zwischen den Wörtern ist schon da. Bei Katze denkt man oft an eine Maus und bei der Maus denkt man oft an eine Katze. Aber es ist kein Reim. Die Vorstellung von Reim ist eine ganz andere. Da geht’s schon mal los. Und so war es da auch in Hamburg, deswegen hab ich das auch nie wieder gemacht, genauso wie das Hosten von Jams. Das mach ich nie wieder in meinem Leben.
Opinion Leadership: Echt? Das hast du früher doch eigentlich ganz gerne gemacht.
David Papo: Ja, früher. Irgendwann hab ich gecheckt, das mich das wirklich anstrengt. Wenn ich einen Auftritt habe, ist das für mich wie Urlaub. Da fahr ich hin, chill, rap’n bisschen. Das macht mir Spaß, ist geil und ich mache meine Show. Ich hab eine Stunde Zeit das aufzubauen und zu gestalten, wie ich das machen will. Und beim Hosten renn ich immer 5 Minuten rauf. Dann sag ich irgendeinen Mist, damit die Leute „Hey“ und „Ho“ schreien. Dann komm ich mir blöd vor, weil die Leute schreien eh die ganze Zeit schon „Hey“ und „Ho“. Die kommen sich blöd vor, ich komm mir blöd vor. Dann hab ich irgendwann gesagt, das mach ich nicht mehr. Auch nicht bei diesem „Stuttgart Open“. Da war’s für mich so. Da hab ich gesagt, sowas mach ich nie wieder. Außer irgendein Kumpel macht irgendwas kleines.
Opinion Leadership: Für Freunde?
David Papo: Ja, so freundschaftlich. Aber dass ich der „Host“ bin, das mach ich nicht mehr. Das war für mich eine Erfahrung und daraus hab ich gelernt. Und so war es auch mit Workshops für Leute, die auch schon rappen und Erfahrung haben und Tracks gemacht haben und ihren Stil schon haben, wissen eigentlich, was sie wollen. Für was der Scheiß Workshop? Was soll ich denen beibringen? Freestylen oder was? Das kann man nicht beibringen. Das muss man üben.
Opinion Leadership: Vor Allem nicht an einem Tag.
David Papo: Natürlich nicht. Deswegen hab ich auch gesagt, dass ich nie wieder Workshops für Rapper mache.
Opinion Leadership: Müssen wir los? (–> wir sind danach noch ins Babaloo gefahren)
David Papo: Ja, so langsam.
Opinion Leadership: Dann machen wir gleich’n kleinen Finish. Ihr habt schon ein paar Lieder, aber auch viel Freestyle. Jetzt ist das ja so, jeder Hinz und Kunz hat ein Smartphone und nimmt das dann auf und stellt das auf Youtube. Wie ist das für euch? Findest Du das cool, weil sich Deine Message verbreitet oder ist es so, dass es euch bisschen nervt, dass jeder meint, sich profilieren zu müssen und ein Video reinstellen?
David Papo: Es gibt wahrscheinlich nur zwei Motivationen für einen Dritten, solch ein Video reinzustellen. Entweder, weil er es besonders geil fand oder weil irgendwas Schlimmes passiert ist und er uns bloß stellen will, weil er uns hasst. Das sind die einzigen zwei Beweggründe. Weil jemandem, dem das Wurst ist, der stellt das nicht ins Internet. Dem fehlt die Motivation. Dadurch dass noch nie was Schlimmes passiert ist, was mich total bloß stellen würde, ist es mir eigentlich Wurst. Natürlich finde ich es interessant, dass manche Leute ein Video hochladen mit einem Freestyle, den ich persönlich fürchterlich finde. Das ist aber eine andere Wahrnehmung.
Opinion Leadership: Ist das oft der Fall?
David Papo: Ich hab einen anderen Anspruch. Ich weiß, was ich sagen will: bekomme ich es hin, kann ich scharf formulieren, ist es zu schwammig? Für Leute im Internet wirkt das anders. Die hören diesen Freestyle zum ersten Mal. Das sind total verschiedene Bewertungsmaßstäbe. Eigentlich muss ich sagen, ich schaue ab und zu auf Youtube, was es Neues gibt-im Schnitt jedes halbe Jahr. Bis jetzt waren die Sachen, die im Internet waren, immer cool. Manchmal denk ich mir, okoy, das hätte man jetzt nicht unbedingt reinstellen müssen, aber es ist nicht schlimm. Es stellt mich nicht bloß. Das ist mir bis jetzt noch nicht passiert.
Opinion Leadership: Auch nicht heute Abend.
David Papo: Nein, da sicher nicht. Von daher find ich das cool, es freut mich für die Leute, aber ich freu mich jetzt nicht darüber, dass sich mein Ruhm mehrt. Schon komisch, was die Leute dann so von mir erfahren.
Opinion Leadership: Echt?
Ich habe bei Freestyles einen anderen Anspruch als die Leute, die das im Internet zum ersten Mal sehen. – David Papo
David Papo: Wenn die mitbekommen, dass ich rappe und wer ich bin, dann googeln die das natürlich. Dann stoßen sie auf irgendwelche Freestyles oder Tracks, die jemand mitgeschnitten hat und die dann im Internet sind. Aber private Dinger habe ich noch nie gesehen. Die Leute sehen Tracks auf Video und können sich drunter was vorstellen. Von daher freue ich mich und bin sehr dankbar, dass sozusagen mein Bild in der virtuellen Welt oder unser Gesamtbild Main Concept so positiv ist.
Opinion Leadership: Das ist total positiv.
David Papo: Es gibt Rap-Gruppen, die müssen sich viel mit Nervtötern rumschlagen. Wir nicht, was daran liegt, dass wir für die völlig uninteressant sind. Was soll’s, warum sollte mir da einer blöd kommen? Das ist uninteressant. Das bringt dem auch gar nichts.
Opinion Leadership: Es gibt auch Leute, die haben eine sehr merkwürdige Motivation.
David Papo: Ja, das gibt’s alles. Aber das sind Spinner. Die Spinner sind deswegen Spinner, weil sie verrückte Sachen machen und verrückte Sachen dann im Internet scheiße finden. Da muss man sich letztendlich fragen, ob das nicht eine Reflexion ihres Selbsthasses ist.
Opinion Leadership: Oft ist es das.
David Papo: Wissen wir nicht. Wissen die Leute besser als wir und das wollen wir ihnen überlassen. Aber manchmal könnte man’s meinen. So viel zu diesem ganzen Internet. Das ist Gossip pur. Das gab’s früher auf den Jams und jetzt gibt’s das halt im Internet. Früher gab’s das nur am Wochenende und mal hier und mal auf der Jam und überall in Deutschland. Man hört was die Leute so labern und heute kannst du 24 Stunden am Tag teilnehmen.
Die neue Platte ist in Arbeit. -David Papo
Opinion Leadership: Genau.
David Papo: Und das hat’s immer gegeben und wird’s immer geben.
Opinion Leadership: In anderer Form.
David Papo: Genau.
Opinion Leadership: David, Dir vielen lieben Dank für das spannende Interview. Ich freue mich auf deinen Part heute Abend.
David Papo: Na logo.
Opinion Leadership: Dann fahren wir mal los, würd ich sagen.
David Papo: Würd ich auch sagen.
Opinion Leadership: Herzlichen Dank.
David Papo: War echt recht angenehm.
Opinion Leadership: Echt? Hat’s dir auch bisschen gefallen?
David Papo: Kluge Fragen und es war für mich jetzt cool. Ich hab nie darüber so ernsthaft nachgedacht. Ich habe schon mein Gedanken- Wollknäuel dazu, aber ich hatte bis jetzt noch nie irgendwie die Gelegenheit, das so zu formulieren. Deswegen war’s für mich auch cool.
Opinion Leadership: Ja schön.
David Papo: Zumal Du nicht gefragt hast, wann die neue Platte rauskommt.
Opinion Leadership: Wann kommt eure Platte raus?
David Papo: Das weiß ich noch nicht. Dieses Jahr. Schlimmstenfalls nächstes Jahr, aber es ist in Arbeit.




Hey,
Klasse Interview, danke für die Mühe…
Gleich mal “Zu fünft unterwegs” abgespielt
Das Ende hat mich besonders geflashed
“Zumal Du nicht gefragt hast, wann die neue Platte rauskommt.”
einfach Genial…
@Felix
Ich finde er sieht es eher neutral… “Das ist alles eine Frage der Sichtweise.”
Ich höre gerade Main Concept, lese das Interview und denke mir so
“cool!”
Peace