Welche Risiken birgt das Geschäftsmodell von Google?
Google gilt gemeinhin als eine der fünf erfolgreichsten Firmengründungen aller Zeiten, was zweifellos berechtigt ist. Allerdings ziehen einige dunkle Wolken über der Geschäftsentwicklung von Google auf, was sich auch im sinkenden Börsenkurs widerspiegelt (siehe Screenshot von finanzen.net). Welche Risiken birgt jedoch die Geschäftsstrategie wirklich? Ist Facebook in der Tat eine große Gefahr für Google? Im Folgenden versuche ich, einige Aspekte von Google-Risiken darzulegen.
Risiko #1: Facebook, Twitter und Groupon oder: Die Konkurrenz schläft nicht
Googles Geschäft basiert komplett auf hoch-innovativen, komplexen und hoch dynamischen Geschäftszweigen, welche einem dauerhaften Wandel unterworfen sind. Interessanterweise ist insbesondere in den wirtschaftlich bedeutenden Märkten in Europa und Nordamerika die Konkurrenz weniger auf dem Suchmaschinen-Sektor (wobei BING aufholt; Yandex spielt nur in Osteuropa/Russland eine gewichtige Rolle) zu suchen, als im Bereich Social Media. So konnten sich in der jüngeren Vergangenheit einige wenige Konkurrenten von Google etablieren, indem diese originär eine Nische besetzten und diese systematisch erweitern. Hier steht sicherlich Facebook als ärgster Konkurrent fest, welcher am konsequentesten soziale Vernetzung ins Web übertrug und mit mehreren hundert Millionen Nutzern weltweit der Trafficmaschine Google das Leben schwer macht. Facebook und Google stehen mittlerweile in einem brutalen “War for Innovation”, welcher in beiden Unternehmen massiv Ressourcen bindet. Google wird, so würde ich die Signale interpretieren, diesen Kampf mit allen Mitteln ausfechten wollen. Die Situation verschärft sich für Google insofern, dass man auch in anderen Nischen geschlafen hat, die sich nun sukzessive verbreitern. Hierzu zählen neben dem Groupshopping-Anbieter Groupon auch der Mikro-Blogging-Dienst Twitter und der Location Based Service-Dienst Foursquare. Die Gefahr für Google besteht darin, dass sich diese Dienste zunehmend in Googles Kernkompetenzen, nämlich bezahlten Traffic auf Webpräsenzen zu locken, ausbreiten und Werbebudgets im Google-Netzwerk reduziert werden. Google versucht durch frühzeitige Investments in Startups künftige Risiken, was bereits eine Chronik an erfolgslosen Firmenübernahmen generierte.
Eintrittswahrscheinlichkeit: sehr hoch
Risiko #2: Probleme mit dem Datenschutz
Googles Qualität basiert auf einer stetigen Optimierung der Aggregation von Daten, um Usern beispielsweise auf google.com oder youtube.com optimale Sucherergebnisse anzeigen zu können. Durch die öffentlich zunehmende Kritik am Umgang mit privaten Daten ergeben sich für Google hierzu zwei Risiken: einerseits das Risiko, relevante Daten (z.B. IP-Adresse in Google Analytics oder Datenerhebungen der Google Toolbar) nicht mehr nutzen zu können/dürfen, was die Produkte zwar nicht verschlechtern, aber weitere Optimierungen verhindern könnte. Andererseits besteht für Google darin das Problem der öffentlichen Negativ-Reputation, welches Politiker zum Teil schon selbstgefällig ausnutzen, um Google zu diskreditieren. Diese Reputationsverschlechterung könnte Marketingplanner davon abhalten, im Google Suchnetzwerk Anzeigen zu schalten oder noch schlimmer: Partnerschaften mit anderen Werbenetzwerken zerstören. Google nimmt das Thema offenbar sehr ernst und ist auch in der öffentlichen Kommunikation bedeutend transparenter als noch vor wenigen Jahren. Kleiner Trost: die Konkurrenten Facebook und Twitter haben teils noch schlimmere Datenskandale zu verkraften.
Eintrittswahrscheinlichkeit: mittel
Risiko #3: Der “War of Talents”
Das Google Universum fußt auf innovativen Ideen, die hochmotivierte und clevere Mitarbeiter erzeugten. So entstanden nicht nur GMail, sondern auch die Google Spreadsheets und eine Vielzahl weiterer Produkte. Google galt für lange Zeit als einer der attraktivsten Arbeitgeber auf dem Planeten; dieses Bild brökelt jedoch etwas (insbesondere in den USA), seitdem Mark Zuckerberg mit Facebook einen Konkurrenten geschaffen hat, welcher ebenfalls hochattraktive Arbeitsbedingungen-insbesondere finanzieller Natur- offeriert. Nicht nur künftige Talente sollen angeworben werden, auch die Abwanderung von qualifizierten Mitarbeitern mit speziellem KnowHow im Bereich “Suche” ist zu verhindern. Hier hat Google nach einigen hochrangigen Abgängen bereits interveniert und Mitarbeiter mit einem Sonderbonus für ihre Leistungen honoriert, um Abwanderungen und Saturation etablierter Mitarbeiter zu verhindern. Die Gefahr des KnowHow-Übergangs bleibt dennoch groß, kann allerdings auch eine Chance sein, indem man von den Konkurrenten Mitarbeiter abwerben kann. Google ist und bleibt ein attraktiver Arbeitgeber.
Eintrittswahrscheinlichkeit: mittel
Risiko #4: Neue Technologien/Entwicklungen/Geschäftsmodelle behindern das Geschäftsmodell
Hier sind mehrere Entwicklungen denkbar, welche das Geschäftsmodell von Google tangieren könnten. Ich denke da vor allem an den stetigen Ausbau der mobilen Apps bei Apple&Co, welchen Google mit der Plattform Android und dem Android Market bereits einiges entgegen zu setzen hat, allerdings gerade im monetarisierten Bereich stark hinter Apple zurückfällt. Auch könnten sich zunehmend User durch digitale Werbung gestört fühlen, was AdBlocker begünstigen könnte und damit Werbeeinnahmen bei Google reduziert. Neue Geschäftsmodelle sind insbesondere durch die Verbreiterung bestehender oder neuer Konkurrenten denkbar (siehe Risiko #1). Wenngleich ich es nicht für sehr wahrscheinlich halte, liegt ein gewisses Risiko darin, dass Telekommunikationsanbieter wie O2 oder die Deutsche Telekom Geld für den Traffic sehen wollen, die beispielsweise Googles Videoplattform Youtube generiert.
Eintrittswahrscheinlichkeit: mittel bis hoch
Risiko #5: Spam verwässert SERPs
Egal, auf welcher Plattform: Google-Produkte leben davon, relevante Suchergebnisse anzuzeigen. Sobald sich Spammer einen Vorteil gegenüber dem Search Quality-Team rund um Matt Cutts verschaffen können, leidet die Produktqualität und damit die Rezipientenakzeptanz. Mit dem nun auch bald in Deutschland ausgerollten Panda-Update macht das SQ-Team wieder einen Schritt nach vorne und dämpft Rankings von Spamming-Plattformen- wie die Ergebnisse aus dem angloamerikanischen Raum zeigen, mit viel Erfolg. Im Laufe der Zeit wird die Spam-Fraktion wieder die Oberhand gewinnen- mit Spam und der Suchqualität verhält es sich etwas wie mit Ying und Yang.
Eintrittswahrscheinlichkeit: mittel
Risiko#6: Konflikte mit der Justiz
Google erregte neulich Aufsehen durch die Bekanntmachung einer Rückstellung in dreistelliger Millionenhöhe. Offenbar gibt es Zweifel daran, dass die bezahlte Werbung für Online-Apotheken in den USA legal war. Dass Suchmaschinen bezahlte Werbung im grauen Gesetzesbereich anbieten, zeigte auch das Beispiel Yahoo, welche für Wettanbieter PPC-Anzeigen geschalten hat. Kritisch ist auch die von einigen Regierungen angedachte und teils umgesetzte Zensur von Sucherergebnissen, was der Google-Philosophie diametral entgegensteht. Prognose: Google wird in einigen Bereichen sicherlich weiterhin aggressiv sein, aber kein unnatürlich hohes Risiko eingehen.
Eintrittswahrscheinlichkeit: gering bis mittel
Risiko#7: Systematischer Klickbetrug
Der Großteil des Google-Umsatzes resultiert aus Pay-Per-Click Programmen. Sollte es Betrügern gelingen, die Systematik zu hintergehen und entweder Google oder die Keywords-buchende Firma zu schädigen, hätte das katastrophale Folgen für Googles Marktreputation und das Business Model per se. Google wird alles unternehmen, um selbiges zu verhindern.
Eintrittswahrscheinlichkeit: gering bis mittel
FAZIT:
Googles Risiken resultieren größtenteils aus der heterogenen Marktsitutation der einzelnen Produkte; relativ neu ist, dass Google auch organisatorische Herausforderungen (“War for Innovation”, “War for Talents”) zu meistern hat, um sich weiterhin als die Nummer 1 im globalen Suchmarkt zu etablieren. Auch wenn es nicht so beabsichtig war, dürfte das Risiko#1 in der Tat auch das größte Risiko sein, welchem sich Google stellen muss und meiner Meinung nach auch wird.





















